Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam

In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre

Incom ist die Kommunikations-Plattform der Fachhochschule Potsdam mehr erfahren

circumsonar

Das circumsonar ist eine mittels Wind betriebene Klanginstallation.

Materialien: Metall, Glas, Gummi und Holz.

Zielstellung

Der Kurs LUFT RAUM beschäftigte sich mit dem Element der Luft in all seinen Facetten. Ziel war es, sich mit seinen Erscheinungsformen und Phänomenen gestalterisch auseinanderzusetzen und in Zusammenarbeit mit einem Architekturstudenten ein gemeinsames Projekt zu konzipieren, welches im Sinne der Thematik ein Erlebnis für Besucher des Tempelhofer Feldes schafft. Während wir als Designer uns der Gestaltung eines Objektes im Kontext der Luft widmeten, übernahmen die Architekten die Planung eines Gebäudes, welches dem Luftobjekt einen Raum geben würde.

Recherche & Ideenentwicklung

Zunächst konzentrierten wir uns bei der Recherche auf einzelne physikalische Begebenheiten im Zusammenhang mit der Luft und führten eine Vielzahl von Materialstudien durch. Besonders die fließenden, kleinteilgen Bewegungen, die durch die Luftzirkulation bei unseren Versuchen entstanden, faszinierten uns und bildeten die Grundlage für unser weiteres Vorgehen.

5.jpg5.jpg
1.gif1.gif
4.jpg4.jpg
3.gif3.gif
2.gif2.gif
6.gif6.gif

Ein erstes Konzept: Verschwendungsrausch

Jakarta.jpgJakarta.jpg

Nach unseren Materialstudien schauten wir um uns und blickten auf ein Meer an Kunststoffmaterialien, die wir für unsere Versuche gekauft und verwendet hatten - allesamt für unsere derzeitigen Ideen ungeeignet. Wir stellten uns die Frage, inwiefern auch wir als Designer Verantwortung für unsere Umwelt bei der Erarbeitung von Projektskizzen übernehmen sollten und beschlossen unsere bis dato verschwenderisch angehäuften Materialien sowie unseren bis zur Endpräsentation anfallenden Abfall als Basis für das kommende Objekt zu nutzen.

Bereits während der Materialstudien überraschten uns die durchaus vielfältigen Klänge der verschiedenen Werkstoffe und uns gefiel die Idee, Luftbewegungen mithilfe diverser Materialien hörbar zu machen.

Eine erste Idee für das Projekt „Verschwendungsrauschen“ entstand. Das Konzept beinhaltete den Bau von 2 mal 1 Meter großen Mobiles aus unseren angehäuften Abfällen - in ähnlichen Formen wie in den beiden unteren Fotos angedeutet.

veilhan-mobile2.jpgveilhan-mobile2.jpg
Mobile_Stadt_Teile_004-904x500.jpgMobile_Stadt_Teile_004-904x500.jpg

Die Herausforderung läge nun in der wirklich Gestaltung der Mobiles, da die Abfälle selbstverständlich nicht per se ästhetische Formen annehmen würden.

VID_20170512_191455.gifVID_20170512_191455.gif
VID_20170512_191642.gifVID_20170512_191642.gif
VID_20170512_191838.gifVID_20170512_191838.gif

Nach unserer Zwischenpräsentation und Rücksprachen mit Frau Martini entschlossen wir uns jedoch unser aktuelles Konzept zu verwerfen - die Gestaltungsmöglichkeiten sowie die erzeugten Klänge entsprachen nicht vollständig unseren Vorstellungen und sollten im darauffolgenden Entwurf weiterentwickelt werden.

Endprojekt: circumsonar

IDEENENTWICKLUNG

Die Idee für das circumsonar entstand durch eine Rückbesinnung auf unsere ersten Materialstudien. Die Durchgängigkeit der Geräusche unseres ersten Konzepts „Verschwendungsrauschen“ kombinierten wir mit dem Gedanken der Kleinteiligkeit von einzelnen im Wind bewegten Elementen und suchten nach Gegenständen und Materialien, die durch das Zusammenspiel mit der Luft wohlklingende Töne erzeugen. Unsere Endauswahl beschränkten wir auf das Blasen von Luft in Glasflaschen, das Anschlagen derselbigen, die Klänge von verschieden gearteten Glocken, Pappgefäßen sowie Gläsern unterschiedlichster Formen.

MECHANISMUS

Als zugrunde liegendes Prinzip nutzten wir eine zunächst simple Konstruktion:

Eine Fahrradfelge wird in der Horizontale gelagert und durch Wind angetrieben, der sich in den an ihr befestigten Segeln fängt. Rund um die Felge sind Gläser aufgestellt. Die Gläser sind mit unterschiedlichen Ständen an Wasser befüllt. Durch die vom Wind erzeugte Drehbewegung der Felge wird ein an ihm positionierter Klöppel bewegt, der dadurch nach und nach die einzelnen Gläser anschlägt und somit zum Klingen bringt.

KOLLABORATIONSPROJEKT DER ARCHITEKTIN ANNA SACHS

Als Partner-Projekt für das circumsonar haben wir uns mit einer Architektin zusammengeschlossen, die einen Raum für unsere Klanginstallation entwarf. Besonders durch die verschieden genutzten Luftströme, ist das Tempelhofer Feld ein einzigartiger Ort mitten in Berlin. Der Luftpavillon, welcher sich um die circumsonare entfaltet, geht auf den ständigen Wind und auf die nichtvorhandenen Schattenplätze des Feldes ein. Mit der Raumfolge kann die fließende Luft unterschiedlich stark wahrgenommen werden. Wind ist ein faszinierendes Element, das einerseits unsichtbar ist und trotzdem seine Spuren hinterlassen kann. Die gewellte Form des Pavillons, soll an die Gestalt des Windes erinnern. Als eine Art Skulptur steht die auf der Graslandschaft des Feldes. Vier hintereinander geschaltete Räume können von West nach Ost der Länge nach, aber auch quer durchlaufen werden. Sie zeichnen sich durch ihre unterschiedlichen Proportionen, wie Größe, Höhe und Offenheit beziehungsweise Geschlossenheit aus. Die Räume werden durch 10 cm auf 40 cm große Stützen gebildet, die sich in ihrer Achse verdrehen. Je kleiner der Raum, desto mehr drehen sich die Stützen. In der Mitte entsteht eine hierdurch eine Transparenz und somit eine Offenheit zum Tempelhofer Feld. Der Effekt lässt den Raum mit dem Tempelhofer Feld eins werden. Die geschlossenen Räume werden weniger stark von der Luft durchflossen, als die hohen offenen Räume. So entsteht eine Folge mit einem spannenden Wechselspiel aus Luft, Licht und Schatten. Der Pavillon kann den Nutzern des Feldes Räume zum Verweilen bieten und schafft mit seiner gewellten Form, Orte mit Aufenthaltsqualität. Die Luft wird zum essenziellen Element des Pavillons. Anhand der verschieden durchdringenden Luftströme und des Ausblicks auf die Landschaft ermöglicht der Luft Pavillon eine sehr besondere Erfahrung.

Konstruktion Zwei der 10x40 cm großen Stützen werden mit einer aufliegenden Latte verbunden. Diese ist je nach Drehung der Stütze verschieden breit und lässt somit die Sonne unterschiedlich stark in den Pavillon scheinen. Das Durchbiegen der Latten wird durch einen unterhalb angebrachten Unterzug verhindert. Durch die starke Windkraft auf dem Tempelhofer Feld, muss eine zusätzliche Aussteifung in den Ecken vorgesehen werden. Um die Stützen auf dem Grund zu befestigen ist ein Betonsockel vorgesehen. Mithilfe eines eingedübelten T-Profils in der Stütze, dient das Stahlrohr als Abstandshalter zwischen Holz und Grund.

GESTALTUNGSGEDANKE Bereits von Beginn an wollten wir mit dem circumsonar einen Gegensatz zur offenen, naturverbundenen Gestaltung von Annas Pavillion setzen. Unser Ziel war es, ein artifizielles Design umzusetzen, das wirklichkeitsfremd und sonderbar wirkt. Wir entschlossen uns daher für schwarze sowie matt-alufarbene Oberflächen und Glas. Das Endprodukt ist diesem Stil treu: ein Objekt, das ins Auge fällt, weil es irgendwie fremd aussieht.

GRUNDRISS & POSITIONIERUNG Das circumsonar steht in dreifacher Ausführung an verschiedenen Orten des Pavillions: zwei in den äußeren Räumen des Pavillions und eines in dem großen Raum in der Mitte. Um auf die unterschiedlichen Windverhältnisse in den Räumen von Anna zu reagieren, entwarfen wir das circumsonar in zwei Bauarten:

Das k l e i n e r e circumsonar spielt eine einstimmige Melodie und steht auf einer Grundfläche von 1,20 Metern im Durchmesser. Es befindet sich im größeren der beiden mittigen Räume des Pavillions, welcher durch die geringe Schrägstellung der Holzlatten einen starken Windzug ermöglicht. Dies führt zu einer schnellen Drehbewegung sowie einem erhöhten Tempo des Melodieverlaufs, weshalb wir uns für einen einstimmigen Klang entschieden, um keine unnötige Unruhe zu erzeugen.

Die beiden g r ö ß e r e n circumsonare befinden sich außen in den größeren, sehr wenig winddurchlässigen Räumen und werden demnach verhältnismäßig langsam gespielt. Aus diesem Grund entschieden wir uns hier für eine polyphone Stimmführung, die eine Komplexität im erzeugten Klang bewirkt.

Unser P r o t o t y p richtet sich aus Praktikabilitätsgründen in der Größe nach dem kleineren circumsonar, zeigt jedoch bereits auf wie es aussehen würde, wenn zu einer einzelnen Reihe aus Klangkörpern noch eine zweite dazu käme.

Bitmap.jpgBitmap.jpg
rendering1.jpgrendering1.jpg

PROTOTYPING, PROTOTYPING, PROTOTYPING

b_IMG_20170622_152959.jpgb_IMG_20170622_152959.jpg
b_IMG_20170624_131900.jpgb_IMG_20170624_131900.jpg
b_IMG_20170624_145259.jpgb_IMG_20170624_145259.jpg
b_IMG_20170624_152320.jpgb_IMG_20170624_152320.jpg
b_IMG_20170624_183546.jpgb_IMG_20170624_183546.jpg
b_IMG_20170625_015351.jpgb_IMG_20170625_015351.jpg
b_IMG_20170622_154405.jpgb_IMG_20170622_154405.jpg

KOMPONENTEN

Drehkörper Als Drehkörper entschieden wir uns eine Fahrradfelge zu verwenden und uns damit dem Vorteil der guten Lagerung dieser zu bedienen. Zusätzlich hatten wir hiermit einen stabilen Drehpunkt und konnten das Gerüst der Speichen zur Fixierung der Segel- sowie der Klöppelkonstruktion nutzen. Um dem Farbschema gerecht zu werden nutzten wir einen matt-schwarzen Spraylack zur Einfärbung der Oberfläche. Die Felge stellten wir erhöht auf einen ebenfalls schwarz angesprayten Holzzylinder, um das Rad an einem Punk zu fixieren.

Segel Als Grundmaterial suchten wir ein flexibles, luftdichtes Material. Wir entschieden uns für die Nutzung eines gummi-artigen Stoffes, der durch seine besondere Haptik die unnatürliche, sonderbare Optik des circumsonars unterstützt. Die Form der Segel ist zu konkarv angelegt, um den Wind zu bündeln und somit das Rad in eine Richtung zu leiten. Um die spezielle Gestalt der Segel zu erreichen, bauten wir eine Konstruktion aus Federstahldraht, an welcher wir die Segeltücher mit ebenfalls angespraytem ALutape befestigten und zur besseren Sicherung zusätzlich vernähten.

Klangkörper Zur Klangerzeugung dienen dem circumsonar 28 Gläser insgesamt drei unterschiedlicher Typen: kleine, bauchige Cognac-Gläser sowie zwei unterschiedlich ausladende Arten von Weingläsern. Um einem Verrutschen vorzubeugen erhielt jedes Glas einen eigenen Untersetzer aus Gummi - dem gleichen Material, welches die Segel bildet. Positioniert wurden die Gläser in zwei Reihen rund um das Rad verteilt. Die niedrigeren Cognac-Gläser in die vordere Reihe, die höheren Weingläser in die hintere. Auf diese Weise verdeutlichen wir in unserem Prototypen die Funktionsweise des zweistimmigen circumsonars. Die Melodie wird durch unterschiedliche Wasserfüllstände in den Gläsern erzeugt. Je mehr Wasser in einem Gefäß, desto tiefer erklingt der Ton beim Anschlagen der oberen Glashälfte. Diese physikalische Begebenheit machten wir uns zunutze und experimentierten mit den uns zur Verfügung stehenden Tonhöhen (die leider sehr eingeschränkt waren, da die einzelnen Gläser einen Tonumfang von maximal einer kleinen Terz aufwiesen).

Klöppel Besonders aufwendig war neben der Melodie-Erzeugung auch die Umsetzung unserer Klöppelkonstruktion. Wichtig war hierbei, dass die Klöppel die Gläser nur sehr kurz berühren, da andernfalls der durch den Aufprall erzeugte Klang direkt durch den anliegenden Klöppel wieder gedämpft werden würde. Auch ist es essentiell, dass sich die Länge des Klöppels verkürzen kann, um die Gläser lediglich in Schwingung zu versetzen und nicht umzuwerfen. Wir lösten die Problematik durch eine übereinandergestapelte Steckverbindung, die die beiden Klöppel (Hartgummi-Schlägel mit Alurohren verkleidet) miteinander verbindet. Vor die Verbindung spannten wir Dreiecke aus Gummibändern, die die Klöppel immer wieder zurück auf die Ausgangsposition ziehen, nachdem sie ein Glas angeschlagen haben.

Unterbau Um dem circumsonar einen Rahmen zu geben, steht das dieses auf einer runden Platte aus MDF, welche als stabiler Untergrund für das Rad sowie die Gläser dient. Um die Oberfläche mit dem Gesamtkonzept in Einklang zu bringen, bezogen wir die gesamte Platte mit Streifen aus Aluminiumfolie, die wir ineinander „verwebten“, wodurch ein zurückhaltendes, jedoch hochwertiges Kachelmuster entsteht, das einen interessanten Kontrast zur kreisförmigen Gestalt der Platte bietet und die Sonnenstrahlung reflektiert, sodass ein funkelnder, blendender Effekt entsteht. Um dem circumsonar eine Plattform zu bieten, entwarf Anna Sockel, auf welchem die Objekte aufliegen können. Damit ein schwebender Charakter der circumsonare entstehen kann, erhöhten wir die Grundfläche dieser durch einen kleinen unterliegenden Block in der Mitte des Sockels.

anschnitt rechts + klöpel5.jpganschnitt rechts + klöpel5.jpg
anschnitt rechts + klöpel2.jpganschnitt rechts + klöpel2.jpg
anschnitt rechts + klöpel3.jpganschnitt rechts + klöpel3.jpg
anschnitt links1.jpganschnitt links1.jpg
anschnitt rechts + klöpel1.jpganschnitt rechts + klöpel1.jpg
anschnitt rechts + klöpel6.jpganschnitt rechts + klöpel6.jpg
anschnitt rechts2.jpganschnitt rechts2.jpg
anschnitt rechts.jpganschnitt rechts.jpg
mitte close1.jpgmitte close1.jpg
unten1.jpgunten1.jpg
top1.jpgtop1.jpg
frontal1 kopie.jpgfrontal1 kopie.jpg
mitte close3.jpgmitte close3.jpg
frontal2 kopie.jpgfrontal2 kopie.jpg
frontal3 Kopie.jpgfrontal3 Kopie.jpg

Resumé

Der Arbeitsprozess im Zusammenhang mit dem Kurs LUFT RAUM hat beide von uns vor Herausforderungen in einem Bereich gestellt, in welchem wir bisher nur wenig Erfahrung gesammelt hatten. Die Auseinandersetzung mit physikalischen Gegebenheiten sowie konstruktionstechnischen Problematiken stellte sich sowohl als mühselig als auch als spannend heraus und forderte unsere Improvisationsgabe immer wieder aufs Neue. Mit dem Endprodukt sind wir sehr zufrieden, da wir im Endeffekt alle Probleme in der Bau- und Funktionsweise des circumsonars lösen konnten. Nichtsdestotrotz mussten wir aus Kostengründen während der Umsetzungsphasen immer wieder Abstriche machen, was uns im Querdenken schulte, jedoch in manchen Hinsichten auch zu einer eingeschränkten Funktionsweise des Prototyps geführt hat. Die Zusammenarbeit mit der Architektin war für uns eine tolle Erfahrung - einen anderen Blickwinkel auf Konstruktionen mitzuerleben hat uns sehr gut gefallen und wir waren dankbar für den Rahmen, den uns Annas Pavillion gegeben hat. Während der Fotografieren und Abfilmen sowie beim Schreiben der Dokumentation haben wir noch einmal rekapituliert, wie viele Detailfragen sich uns im Laufe des Projektes gestellt haben - Kleinigkeiten, die im fertigen Endprodukt nicht mehr herausstechen und von denen man niemals gedacht hätte, dass sie einem in einer solchen Vielzahl begegnen würden - und wir freuen uns, mittlerweile hinter allen dieser Entscheidungen stehen zu können.

Fachgruppe

Sonstiges

Art des Projekts

Studienarbeit im ersten Studienabschnitt

Betreuung

foto: Prof. Alexandra Martini

Zugehöriger Workspace

LUFT RAUM

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2017