angewand[t]
Fünf Räume, sieben Personen.
Zu siebt haben wir eine Woche in einem Haus verbracht, um fünf Räume zu gestalten. Diese sollten zunächst durch Texte thematisiert werden, die dann in dem jeweiligen Raum zu finden waren. Dabei handelte es sich um ein Kochrezept, einen Zeitungsartikel, einen Liedtext, ein Gedicht und ein Sprichwort. Diese Kategorien stellten die Basis unserer Arbeit dar. Mit ihrer Hilfe wurde dann auf die Atmosphäre des jeweiligen Raums Bezug genommen, um in diesen einzugreifen.
Dieses Eingreifen geschah in einem Rotationssystem, welches es jedem ermöglichte, sowohl die Herausforderung eines ganz oder fast leeren Raums anzunehmen als auch in Räumen zu sein, in denen man Arbeiten von anderen vorfand.
Diese Projektidee wurde von uns als Experiment begriffen, wobei es nicht darum ging, etwas Vollständiges zu hinterlassen. Was zum Zeitpunkt unserer Abreise dort zurückblieb, befindet sich also in einem War– oder Wird, auf keinen Fall aber in einem Ist– zustand.
Glasow
angewand[t] DAS PRINZIP
Der köchelnde Raum
Folgendes Rezept diente diesem Raum als Vorlage:<p>
HIPPIE-STEAKPLATTE<p>
Zubereitung: 30 Minuten<p>
4 Eisbärensteaks á 150 g<p>
Rosenblüten<p>
Prise Salz<p>
Prise Pfeffer<p>
1 Tasse Speiseöl<p>
100 g Seehundsfett<p>
1 Strauß Huflattich (auch getrocknet)<p>
1 Dose grönländische Moosbeeren<p>
1 kleine Dose Kasi-Insekten<p>
Die Eisbärensteaks leicht klopfen und 1 Stunde in Rosenblüten legen. Sind keine Rosenblüten zu bekommen, kann man die Steaks auch mit Rosenblütenmarmelade bestreichen. Dann die Steaks mit Speiseöl einpinseln und auf heißen, geölten Grillstäben von beiden Seiten rösten. Salzen und pfeffern. Huflattich mit kochendem Wasser überbrühen, abkühlen, feinhacken und mit schaumig gerührtem Seehundsfett vermischen. Über die fertigen Steaks streichen und in heißer Röhre bei 250 Grad überhitzen. Moosbeeren in Seehundsfett schwenken, Kasi-Insekten dazugeben und über die angerichteten Steaks legen. Mit Toast und Pommes frites servieren.
Der Raum der toten Sprachen
An diesem verbalen Tatort bezog sich jeder Raumgestalter auf einen Zeitungsartikel, der das Sterben von 40 Sprachen thematisierte. Keiner von uns kann wohl behaupten, dass er nicht das gleißende Licht am Ende des Flures sah.
Von Spinnen und Menschen
Ausgangspunkt für die Arbeit in diesem – normalerweise als Tischtenniszimmer genutzten – Raum war der Songtext zu "little yellow spider" von Devendra Banhart.
Letztlich nicht ganz weit weg von der üblicherweise im Raum stattfindenden Dynamik wirrte und wuselte es an seinen Wänden: zwei- und dreidimensional, lebend, tot, echt und unecht.
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir
Zu sehen sind Ausschnitte aus dem Raum, der an Unbehaglichkeit nicht zu übertreffen war. Mit ihren rußigen Wänden, dem zerbrochenen kleinen Fenster und den zurückgelassenen Gegenständen aus früheren Zeiten ist die Räucherkammer ein Ort düsterer Gedanken. Das Thema hier war "Der Erlkönig" von Goethe, ein nicht weniger düsteres Gedicht über einen Jungen, der unter albtraumhaften Wahnvorstellungen in den Armen seines Vaters stirbt.
Auf dieser Grundlage konnte nun jeder selbst entscheiden, ob ein Eingriff in den Raum dessen Atmosphäre untermauert oder umkehrt.
Der grüne Raum
eene meene muh. Eene meenge Muhseligkeit hat uns das schöne Motto erspart. Von architektonischen und möbelletristischen Schnörkeln ungehindert konnten sich die schimmernden Ideen wie Schimmel auf den grünen Wänden verbreiten - nicht ungleich Taten, aus jenem gerade erwähnten Zufallsprinzip stammend, das durch seine Unvereinfachbarkeit zu den Grundlagen des Weltgerüsts gehört.








































