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Studienarbeit im Hauptstudium

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SS 06

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Material

LOST - Moles sing Birds listen.

LOST - Moles sing Birds listen.

Dokumentation des Projektes "Moles sing, Birds listen" im Rahmen des Kurses "LOST // Spaces and Awareness" im Sommersemester 2006.

Im Mittelpunkt dieses Kurses stand die kritische Auseinandersetzung mit Informations- und Kommunikationstechnologien im öffentlichen Raum. Als Benutzer von Handys und PDAs ist unsere Privatsphäre zunehmend gläsern geworden. Jedes Handy ist bis auf wenige Meter genau lokalisierbar, Datenzugriffe sind über Techniken wie Bluetooth möglich und eine Telefonnummer hat fast schon den Status einer Kreditkartennummer.

Wie kann man Nutzern mobiler Geräte die Transparenz ihrer Daten bewusst machen? Wie können wir wieder Kontrolle über unsere Präsenz im Datenraum erhalten? Wie kann man die Interaktion mit mobilen Geräten so gestalten, dass aus den Problemen mobiler Kommunikation ein Zugewinn für die Nutzer wird?
Das war die grundlegende Fragestellung des LOST-Projektes. Aufbauend auf diesen Fragen entwickelten die Stundeten der FH Potsdam und der TU-Berlin gemeinsam Konzepte, Ideen und Produkte.

Unser Konzept für das Kommunikations-Portal Moles Sing Birds listen verbindet die konträren Welten des monotonen Berliner U-Bahn System mit den lebendigen Straßen der Stadt. Durch einen fiktiven Vorfall, kritisierten wir zugleich unser eigenes Konzept um auf potenziellen missbrauch moderner Technologien Aufmerksam zu machen.

Brainstorming

Angefangen hat der Kurs mit einem Brainstorming, bei dem die Studenten dutzende Ideen zur kritischen Auseinandersetzung mit Kommunikationstechnologien vorstellten. Diese Ideen dienten meist als Basis für Gruppenbildungen innerhalb des Kurses.

Die historische Stadtführung

Die Ursprungsidee zur historischen Stadtführung sah die Verwendung von Tablet-PCs vor, um mit diesen durch den Boden in den Untergrund, durch Wände in Gebäude oder nur einfach auf die historische Ansicht von Plätzen etc. schauen zu können. Je nachdem in welcher Richtung der Benutzer das Gerät hält, sollte das Gerät ihm entsprechende Einblicke verschaffen. Diese Idee entstand bereits während des Brainstorming und wurde auf vielfältige Weise weiterentwickelt.

Variante historische Karten

Die Idee zur Verwendung von historischen Karten als Content für das mobile Endgerät, wurde recht intensiv verfolgt. Hier war die Idee, dem Benutzer mit Hilfe von historischem Kartenmaterial einen Einblick darin zu verschaffen wie das Stadtbild in einer bestimmten Epoche aussah. Die Karten hätten hierzu noch mit weiteren Informationen wie Fotos, Geschichten aus dem Alltagsleben der Menschen dieser Zeit etc. erweitert werden können. Als möglicher Zeitraum für dieses Szenario wurden die goldenen 20er in Betracht gezogen, da in dieser Zeit Berlin größer als heute war und die Veränderungen durch den 2. Weltkrieg und die Teilung Berlins besonders eindrucksvoll verdeutlicht worden wären. Problematisch an diesem Konzept war die sehr aufwändige Aufarbeitung des Contents. Mit der Qualität dieses Materials wäre das Konzept gestanden oder gefallen. Dies war eindeutig im Rahmen des Projekts nicht zu leisten, weshalb die Idee nicht weiter verfolgt wurde.

Informationen verorten

Diese Idee entstand nachdem die Idee zur historischen Stadtführung verworfen wurde. Das Konzept sah vor Informationen mit Hilfe der Software Informationen im realen Raum verorten zu können. Diese Informationen könnten dann auf andere Clients gepusht werden, wenn diese an einer solchen vorbeilaufen. Über die Client- Software sollte es auch möglich sein diese Informationen im Nachhinein abzurufen, wenn denn der Benutzer an solchen verorteten Informationen vorbeigekommen sein sollte. Die Inhalte könnten sowohl von anderen Benutzern geschaffen werden, als auch in moderierte Form zum Beispiel für historische Stadtführungen vorliegen. Auch sollte der Benutzer die Möglichkeit bekommen, die Art der Informationen, die er erhält nach Themenkanälen zu steuern.

Going Underground

Dieses Konzept war die Basis für das Moles sing, Birds listen Konzept. Ziel dieser Idee ist, den U-Bahnfahrern Informationen über die Oberfläche bereitzustellen. So soll die fehlenden Orientierungsmöglichkeiten unter der Erde wieder zurückgegeben werden. Es könnten UBahn-Fahrer Bilder von Gebäuden und Monumenten unter denen sie durchfahren erhalten. Auch könnten die Menschen an der Oberfläche Informationen sammeln und an die Unterwelt senden und umgekehrt. Nachdem wir diese Idee einen kleinen Praxistest unterzogen hatten wurde das Konzept weiterentwickelt und es entstand langsam das endgültige Konzept Moles sing, Birds listen.

Praxistest in der U-Bahn

Ziel war also sowohl ein Test der Akzeptanz durch die Mitmenschen als auch der praktischen Anwendbarkeit wie die Qualität der Fotos. Mit diesen Eigenschaften steht und fällt die Attraktivität eines jeden Dienstes und hiermit die Bereitschaft der Nutzer für diesen auch Geld zu bezahlen.

Der Praxistest zeigte uns deutlich, wo die Mängel im Konzept lagen. Das Szenario war zu begrenzt. Weder die überirdischen Fotos und Informationen, noch die Daten aus der Unterwelt konnten hier ein gesteigertes Interesse an dem Dienst wecken. Diese Ergebnisse brachten uns dazu das Konzept erneut zu ändern und hierbei verstärkt auf den Spaßfaktor in der Anwendung des Dienstes zu achten.

Praxistest Ergebnis

Hier werden nun einige der gesammelten Bilder gezeigt um einen Eindruck zu vermitteln,
inwiefern diese Bilder für andere Mitmenschen von Interesse sein könnten bzw. inwiefern
sich mit diesen Bilder auf gängigen Handydisplays überhaupt Informationen übermitteln
lassen.

Moles sing, Birds listen

Das Mobilitäts-Kommunikations-Portal Moles sing, Birds listen verbindet zwei Welten miteinander: Die Unterwelt und die Oberwelt. Die eine Welt voller Veränderungen, Bilder und Abwechslung. Die andere isoliert und voller Gleichförmigkeit, Langeweile und Monotonie. Wie wird diese Verbindung geschaffen? Mit Hilfe moderner Technik und den Menschen, die beide Welten bevölkern. Dies alles sind potentielle Benutzer des Mobilitäts-Kommunikations-Portal.

Idee

Benutzer von Moles sing, Birds listen können auf verschiedene Arten miteinander kommunizieren und so die Bedürfnisse oder auch nur die Neugierde der jeweils anderen befriedigen. Aber nicht nur die zwischenmenschliche Kommunikation soll gefördert werden, sondern auch die Kenntnisse der Menschen im Untergrund über die Welt über ihnen soll erweitert werden.

Lerne die Oberwelt kennen

Um das Kennen lernen eines städtischen Raumes an der Oberfläche mit dem schnelleren Fortbewegen im Untergrund zu verbinden, wird eine Schnittstelle zwischen beiden Räumen geschaffen. Über das resultierende Netzwerk wird es Bewohnern, sowie Besuchern der Stadt ermöglicht spezifische, narrative oder freie Inhalte des gerade über ihnen befindenden Stadtteiles zu erlangen. Alle Informationen, z.B. Bilder oder Straßennamen, werden von Personen an der Oberfläche generiert und dem aktuellen Bereich zugeordnet. Diese Form der Plattform kann je nach Intention der Autoren mit beispielsweise touristische, kulturelle oder kiezspezifische Daten gefüllt und dem „Untergrund“ bereitgestellt werden. Benutzer in den U-Bahnen empfangen die gesammelten Informationen, wenn sie den Ort an dem diese hinterlassen wurden unterqueren. So wissen sie was sich über ihnen befindet und wenn sie wollen, können sie aussteigen und anfangen die Oberwelt zu entdecken.

Kommuniziere mit deinen Mitmenschen

In der U-Bahn wird nur wenig kommuniziert, denn nur wenige Menschen fangen eine direkt Konversation mit fremden Menschen an. Moles sing, Birds listen-Nutzer können dies ändern, denn sie haben die Möglichkeit über das integrierte Chat-System mit ihren Mitreisenden anonym in Kontakt zu treten. So können sie die Menschen in ihrem Waggon oder in ihrem Zug erstmal in aller Ruhe kennen lernen, bevor sie – vielleicht – in direkte Kommunikation treten. Durch die Informationen von der Oberwelt haben sie vielleicht auch gleich ein Thema über das sie sich unterhalten können...

Geräusche aus der Unterwelt

Die Benutzer an der Oberfläche können, wenn sie an der richtigen Stelle doll genug lauschen, Chats aus der Unterwelt hören. Die Client-Software zeigt immer dann Chats an, wenn die Benutzer sich oberhalb einer U-Bahn-Linie befinden und wenn gerade ein Zug vorbeigefahren ist, in dem sich andere Moles-Benutzer unterhalten. So bekommen sie vielleicht auch mit was über die Informationen gesprochen wird, die sie gerade in die Unterwelt gesendet haben.

Chatprototyp 1 - Inhalt / Entfernung

Ansatz bei diesem Prototype war das Lauschen an den Themen und Inhalten der Unterwelt. Der Benutzer sieht auf seinem mobilen Gerät einen üblichen textbasierten Chat der in unterschiedlicher Art koloriert werden kann. Der dabei genutzte Farbton entspricht dem der U-Bahnline im Leitsystem.
Die Größes des Textes ist abhänig von der Entfernung des Autors. Bewegt sich der entsprechende U-Bahnwagen vom Benutzer weg, verringer sich dieser Parameter und der Text wird kleiner.

Download Clientchatprototyp1.zip

Chat prototyp 2 - Position im urbanen Raum

Anders als im Prototype 1 wird in dieser Version auf die Richtung der sich im Untergrund bewegenden Personen fokussiert.
Die Oberfläche der Software ist eine 3x3 Matrix unterteilt, wobei das mittlere Feld die direkte Umgebung des Benutzers darstellt. Die weiter entfernten Bereiche des urbanen Raumes werden in die restlichen 8 Felder unterteilt und dementsprechend um das zentrale Feld angeordnet.
Im städtischen Raum kann dieses Tool eine Art Kompass darstellen, welcher mit Kenntnissen im Streckenverlauf genutzt werden kann.

Download Clientchatprototyp2.zip

Informationen für die Unterwelt

Die Oberweltler können und sollen interessante Informationen sammeln. Dies können Fotos. Texte oder auch nur Straßennamen sein. Wichtig ist nur, dass die Informationen ortsnah gesammelt und gesendet werden. Alle Benutzer die diese Daten empfangen können sich so sicher sein, dass der Ort oder die Sache von der berichtet wurde nicht weit weg sein kann. So können sie sich auf die Suche machen und neue Welten entdecken.

Erweiterungen des Konzeptes

Das oben beschriebe Basisszenario lässt sich leicht erweitern oder abwandeln. So könnten die Informationen auch für Menschen der Oberwelt gesammelt werden. Sie könnten in Kategorien eingeteilt werden um so die Empfangenen Informationen je nach Interesse zu filtern. Eine Party-Kategorie könnte so zum Beispiel allen Menschen die sich gerade in der Unterwelt befinden den Weg zu einer Party weisen. Oder die Essens-Kategorie zu dem Geheimtipp-Restaurant um die Ecke. Der reale Raum wird so zur virtuellen Littfaßsäule. Auch das Unterwelt-Szenario lässt sich erweitern. Profile könnten die Interessen und Eigenschaften der Benutzer festhalten und so die Kommunikation etwas persönlicher gestalten. Die Community wäre mit Benutzernamen weniger anonym und vielleicht ließe sich auch noch ein Web-Portal erschaffen, wo die Nutzer sich auch in der Oberwelt wieder treffen könnten. Moles sing, Birds listen ist ein flexibles Konzept, das nur wenige Regeln braucht. Es müssen lediglich die technischen Vorraussetzungen geschaffen werden

Technische Realisation

Die Software sollte auf möglichst vielen Endgeräten lauffähig sein. Auch muss sie in der Lage sein die Position des Empfängers zu ermitteln, was jedoch leider nicht mit allen Endgeräten einfach zu realisieren ist. Zurzeit ist dies im Grunde nur mit Smartphones zu realisieren, die jedoch nur wenige Menschen besitzen.

Die Software muss zum einen das Chat-System für die Unterwelt enthalten, damit die Unterweltler miteinander kommunizieren können. Wie dieser Chat aussehen könnte wird später erläutert. Außerdem müssen die stattfindenden Gespräche an die Oberwelt geschickt werden. Die Software muss außerdem ständig versuchen Informationen über einen Aufenthaltsort zu bekommen. Hierzu muss die aktuelle Position ermittelt und an einen zentralen Server übertragen werden. Vorliegende Informationen müssen dann eventuell vom Server an den Client übertragen werden. Die Software sollte es dem Benutzer eventuell ermöglichen die Art der abgefragten Informationen je nach Interesse zu bestimmen (Themenkanäle). Auch an der Oberfläche muss die Software die Position des Benutzer ständig berechnen, um festzustellen ob sich eine U-Bahn mit Gesprächen in der Nähe befindet. An der Oberfläche muss es außerdem möglich sein Informationen zu erzeugen. Hierzu muss das Endgerät eine Kamera besitzen und der Benutzer muss die Möglichkeit bekommen zu diesen Bildern Informationen zu übermitteln. Die gesammelten Daten müssen dann zusammen mit dem aktuellen Standort an den zentralen Server übermittelt werden. Im History-Modus könnte die Software alle Informationen die auf dem Weg durch die Stadt auftauchen sammeln, so dass man diese dann am Ende des Tages Revue passieren lassen könnte.

Technik: Bluetooth-Chats

Der Bluetooth-Chat soll ein zentraler Bestandteil der Untergrund-Komponente des Moles sing, Birds listen Mobilitätsportals sein. Hiermit sollen die Benutzer in der U-Bahn miteinander kommunizieren und gleichzeitig sollen teile dieser Gespräche an die Oberfläche übertragen werden, um so einen Einblick in die Geschehnisse in der Unterwelt zu erzeugen. Für den Chat innerhalb der U-Bahn soll Bluetooth verwendet werden. Nach einer kurzen Einführung in den Bluetooth-Standard, wird im Folgenden noch kurz auf zwei verschiedene Möglichkeiten eingegangen, wie so ein Chat-System realisiert werden könnte.

Bluetooth

Bluetooth ist ein Funkstandard, der für den Nahbereichsfunk oder auch Personal Area Networks (PANs) entwickelt wurden. Mit dieser Technologie sollen Endgeräte wie Drucker, PDAs, Mobiltelefone, etc. möglichst unkompliziert miteinander in Kontakt treten können. Bluetooth-Geräte können ohne Line of Sight miteinander kommunizieren, wobei die maximale Distanz zwischen den Endgeräten von der unterstützten Bluetooth-Klasse abhängt. Sie liegt bei einer Distanz von 1 bis 100 Metern.

Bluetooth Chat System

Das Chat-System in der U-Bahn soll möglichst mit allen mobilen Endgeräten die Bluetooth und Java unterstützen nutzbar sein, um die Benutzergruppen nicht durch technische Vorraussetzungen zu beschränken. Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Konzepte mit denen sich ein Chat zwischen verschiedenen Endgeräten realisieren ließe. Als Peer-to-Peer (P2P) Chat oder mit Unterstützung eines speziellen Chat-Servers. Beide Möglichkeiten bieten verschiedene Vor- und Nachteile. Zusätzlich zur grundlegenden Chat-Funktion, müssen die Konzepte auch die Möglichkeit bieten, Teile der ablaufenden Gespräche an die Oberfläche zu senden. Der dritte Ansatz ist ein hybrider Ansatz, der einige Eigenschaften der beiden grundlegenden Konzepte kombiniert und so einige Nachteile kompensieren kann.

Virale Werbung durch Video Hoax

Wir erstellten ein Video welches sich als virale Werbung für das Projekt von "Moles sing Birds listen" versteht.
Viel mehr jedoch stellt es eines von vielen bizarren Szenarien und Probleme dar, die mit der zunehmenden Digitalisierung unseres Alltags auftreten könnten.
Im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung stehen oft große Firmen am Pranger, weil sie verdächtigt werden Nutzerdaten zu sammeln und u.a. kommerziell zu verwerten. Dabei darf aber auch nicht vergessen werden, daß auch Individuen neue Möglichkeiten geboten werden kriminell zu agieren.

Link zum Video auf Youtube

Video Screenshots

Das Video erzählt für den nicht eingeweihten Zuschauer authentisch die fiktive Geschichte eines Hackers, der das Kommunikations-Portal "Moles Sing Birds listen" sabotiert um die Menschen der Stadt Berlin zum Narren zu halten.
Das Video ist absichtlich von sehr einfacher Qualität, damit glaubhaft gemacht werden kann, der Hacker selber habe seine Tat dokumentiert und im Internet veröffentlicht

Portal Seite des auf öffentlichen Druck eingestellten Projektes

Ausgehend von den Reaktionen im Kurs und den Kommentaren auf Youtube wurde das Video für durchaus Authentisch eingestuft.
Um die Wirkung zu verstärken wurde eigens eine Internet Seite erstellt auf der man aber nur noch von der Einstellung des Projektes lesen konnte. Einige Unterseiten so wie tote links zur Software waren auch noch zu finden.

Öffentliche Projektseite

Verbreitung

Obwohl das Video und die Internetseite glaubwürdig waren, konnte sich das Video mit ungefähr 1600 gezählten aufrufen nicht weit verbreiten. Dafür wären wahrscheinlich gesonderte Anstrengungen nötig gewesen, wie das aktive posten in den Communities und Blogs, sowie das verschicken an etliche Bekannte und Kollegen.