Autoren

Art des Projekts

Forschungsprojekt

Entstehungszeitraum

WS 03/04 - SS 06

Zugehöriger Workspace

incom.org

incom.org

ist eine lehrbegleitende Kommunikations/Kooperations Plattform. Die Konzeption der incom Plattform entstammt den spezifischen Anforderungen von kreativ oder gestalterisch arbeitenden Personen. Im Mittelpunkt stehen Projektarbeit, kleine Arbeitsgruppen, kritische Reflektion und Diskussion der Entwürfe. Diese Lehr- und Arbeitsformen werden in incom aufgegriffen. Incom basiert auf einem Community-Modell und auf erfolgreichen Web-Konzepten wie Blogs oder Wikis. Studenten, Lehrende und Gäste sind im System gleichberechtigt und bilden kleine Arbeitsgruppen, die sich in Workspaces gruppieren.

incom bedient sich der Methoden, Technologien und Erkenntnisse der Open-Source-Bewegung.Einfache Bedienbarkeit, modulare Organisation, schneller Zugriff und gleichberechtigte Strukturen fördern die Benutzung und somit die Mit-Entwicklung. Die primär unhierarchische Vernetzung wird durch Nutzeraktivität gesteuert. Relevante Strukturen sind beweglich und aktuell. So gebildete Hierarchien sind in der Lage, sich den veränderlichen Anforderungen anzupassen.

Die incom Plattform befindet sich ständig in Entwicklung,- parallel zu ihrer Benutzung. Die permanente Betaphase verfolgt das Ziel möglichst adaptive und flexible Systemstrukturen zu schaffen, welche dann in selbstorganisierender Weise auf Nutzung reagieren. Durch die Widerspiegelung des Verhaltens der Nutzer oder der Merkmalsfusion des Einzelnen/der Gruppe werden Strukturen geschaffen, die der Orientierung dienen. Das heißt, die sozialen Informationen aus Handlungen und Aktivitäten, wie sie auch im realen Raum erfahrbar sind, werden vom System sinngebend vernetzt und dem Nutzer offensichtlich gemacht.

Ganz im Sinne der Web 2.0 Merkmale funktioniert die incom Plattform umso besser, je mehr sie benutzt wird. Nicht die einzelne Publikation, sondern die massive Teilnahme schafft den Mehrwert im System. Die Weisheit der Vielen, als systemischer Ansatz in der Lern- und Wissens- Community, erfordert neue Organisationsprinzipien. Die Verschmelzung von organischen Taktiken mit denen aus der sozialen Software kann hier neue strukturbildende Methoden liefern.

Organische Strukturen bilden sich aus sozialer Information

Ähnlich der Web 2.0 Technologien, welche die Vernetzung von user-zentrierten Softwaretools propagieren, ist auch das Organic Computing ein aktuelles Thema im Kontext sozialer Software.
Unter dem Begriff des Organic Computing http://www.sra.uni-hannover.de/orgcomp/fileadmin/articles/1m0409_schlagwort.pdf wird ein informatischer Ansatz formuliert, der versucht technische Systeme lebenähnlicher zu gestalten, um deren Komplexität beherrschbar und anpassbarer an wechselnde Anforderungen zu machen. Der Unterschied zu den Ansätzen des Artificial Life ist der, dass soziale und verhaltensorientierte Einflüsse entscheidend sind und gestaltgebend wirken.

Die digitale Community ist mehr als die Summe ihrer Teilnehmer. Und auch das kooperative Werk besteht aus mehr als den einzelnden Publikationen. Analogien aus der Biologie und Systemtheorie, speziell deren Organisation von komplexen Prozessen inspirieren unsere Entwicklung.
Ähnlich der Speichermethodik des Gedächtnisses werden Daten mit emotional - assoziativen Metainformationen vernetzt. Dies macht sie leichter abrufbar. Sie sind nicht in Schubladen (Kategorien/Ordner) geräumt, sondern noch immer in den Prozess involviert und damit weiter modellier- und wandelbar. http://www.adammathes.com/academic/computer-mediated-communication/folksonomies.html

Der incom Schlagwortkatalog arbeitet im Sinne der kooperativen Klassifikation. Dieses organische Ordnungsprinzip entstammt dem gemeinsamen Organisieren, Verwalten, und Zur- -Verfügung-Stellen von Daten in Communities. User verschlagworten ihre Beiträge mit eigenen Begriffen, die sofort in einen Katalog aufgenommen werden. Der Katalog bildet sich aus den speziellen Begriffen der Community und schafft so die fachlich angepasste Sprache. Das Interface des Schlagwortkatalogs bietet eine Filtermöglichkeit, nach häufiger Verwendung. Dieser Filter ermöglicht Wertungen in der Qualität und fungiert gleichzeitig als Spamfilter. Spam oder irrelevante Einträge, seien sie beabsichtigt oder nicht, sind ein gängiges Phänomen des offenen Wachstums. Mehrfaches Benutzen eines Begriffs läßt diesen als relevant erscheinen und macht ihn sichtbar. Ein weiteres Feature des Schlagwortkatalogs besteht in der Anzeige der keyword family. Diese gruppiert alle Keywords, die mit diesem Begriff gemeinsam verwendet wurden. Die keyword family ist ein durch Benutzung entstandenes dynamisches Cluster. Durch Wiederverwendung kann sich diese Gruppierung verstärken oder durch selektiven Gebrauch weiter spezifizieren.

Synergetische Strukturen

Als Synergetische Muster bezeichnet man Muster, die sich aus autonom agierenden Einzelteilen bilden, ohne dass der Einzelne Wissen über das zu bildende Ganze verfügt. Das Paradebeispiel der Synergetik ist der Laser http://emergenz.hpfsc.de/html/node14.html. Durch äußeren Einfluß, in diesem Fall Energie, formieren sich die ungeordneten Lichtwellen zu einer höchst gleichmäßigen Lichtwelle. Das heißt, die Einzelteile ordnen sich einer Mode oder auch globalen Struktur unter.

Durch das Verfügbarmachen normalerweise im System verborgener Information können synergetische Muster auftreten. Das heißt, durch Information darüber, wo sich das Interesse der anderen Teilnehmer bewegt, wird der Einzelne beeinflußt.

In der Workspaceübersicht informiert ein Banner über die Interessen der Incom-Flaneure. Die Incom-Flaneure sind User, die Workspaces besuchen ohne zweckgebundene Absicht oder kursbedingte Mitgliedschaft. Das heißt hier geht es um die freie, nicht studienbedingte Aufmerksamkeit an Themen oder Kontexten der Community. Die Aufmerksamkeit gehört zur verhaltensorientierten Information. Diese bildet sich aus dem Zusammenwirken der verschiedenen assoziativen Faktoren. Die incom-Flaneure liefern nutzungsspezifische Zusatzinformation, die dem System hilft seine Inhalte zu werten, bzw. zu organisieren.

Paralle Visualisierungen konstruieren Datenverbindungen, welche dem System erlauben mehr über seine Daten zu wissen, damit es sie demgemäß behandeln bzw. strukturieren kann. Durch Nutzung (z.B. auch Aufmerksamkeit) werden organische Hierarchien modelliert.

Im Gehirn existieren Beobachtungs- und Kontrollmechanismen, um eingehende Informationen zu prüfen und die vorgeschlagene Reaktion zu bewerten. Diese Funktion wird vom limbischen System ausgeführt, das dem bewussten und logischen Denken die emotionale Färbung aufprägt.
Analog dazu übernimmt in unserem Entwicklungsprozess die Datenvisualisierung die Rolle des Beobachtungsmechanismus. Die Vielschichtigkeit und auch das emotionale Potential von Visualisierungen dient uns zur Erprobung von assoziativen, experimentiellen Venetzungs- und Regelkonstrukten. Die Komplexität der organischen Struktur bildet sich nicht durch ein zentrales Regelwerk, sondern durch parallele einfache Interaktion. http://www.bitstorm.org/gameoflife/

__/ Dolby
__/ WUP
__/ incom collaboration pattern
__/ incom flaneure
__/ F12 - Incom Widgets
__/ WorkSpaceTime
__/ Pixow

Identitätsmanagement : Profile
Ein wichtiger Ausschnitt aus dem Forschungsschwerpunkt des Social Navigation Design ist der Umgang mit der Identität des Benutzers. Manche Communities bauen auf manuell eingegebene Zusatzinformationen (zu Interessen, Themen und Position), wie z.B. friendster http://www.friendster.com oder OpenBC https://www.openbc.com. Diese fordern aber erheblichen Aufwand und ständiges Verwalten und bergen die Möglichkeit der Manipulation. Incom generiert die persönlichen Merkmale anhand der Spuren (Beiträge, Projekte), die der User im System hinterlassen hat. Das Profil informiert auch über kooperierende Personen aus gemeinsamen Aktivitäten im Workspace- oder Projektbereich. Diese verhaltensorientierte Metainformation adaptiert reale Szenarien. Autonome Systeme, wie z.B. auch unser vegetatives Nervensystem arbeiten auf Basis einer Merkmalsfusion. Das heißt, das Zusammenwirken der Signale und deren, durch äußere Umstände unterschiedliche, Gewichtung steuern die Wertung und die Reaktion.

Soziale Software für die digitale Community

Mit der Entwicklung von incom.org erproben wir Methoden und Strukturen, welche die webbasierte Kommunikation/Kooperation lebensähnlicher machen, und somit auch sozialer. Organische, durch Nutzung entstandene Strukturen modellieren die assoziative Vernetzung und bilden so Filter, Empfehlungen und kontextuelle Relevanz.
Diverse, verteilte Aspekte der sozialen Navigation gestalten ein System für den Nutzer, und unterstützen so die Synergien zwischen kontextuellem und sozialem Mehrwert für die gesamte Community.

Unser weitergehendes Vorhaben umfasst die Wandlung von einem hochschulinternen Kooperations- und Wissens-Medium hin zu einem hochschulübergreifenden System, das die einzelnen Communities inhaltlich und semantisch vernetzt, um fachliche Synergien zu ermöglichen.
Geeignete Schnittstellen sollen Anpassungsfähigkeit und Durchlässigkeit, Nutzung und Wissenstransfer in der kognitiven Kooperation zwischen den Instanzen unterstützen.

Incom will wachsen und verschiedene Communities (hochschulübergreifendes Konzept) integrieren, ohne in der Fülle der alltäglichen Banalität zu versinken. Ein Wertebewußtsein des Systems, konstruiert aus aktiver und passiver, sozialer und kontextueller Metainformation soll beim Perlenfischen in der Wissensarbeit helfen.