»Der erste Kreuzzug« 360° – Fulldome Animationsfilm für den Cornelsen Verlag
"Der erste Kreuzzug" ist ein Animationsfilm, speziell für den Fulldome-Kontext konzipiert und gestaltet. Auf Basis des historischen Weltatlas "Putzger"
vom Cornelsen Verlag haben wir die Daten für das Medium "Kuppel" neu strukturiert
und interpretiert.
Ein Projekt für den Cornelsen Verlag von Johanna Gottschalk und Wenke Kramp, entstanden im Rahmen des Kurses CUTUP.22 an der Fachhochschule Potsdam unter der Leitung von Prof. Klaus Dufke.
Der "Putzger Weltatlas" von Cornelsen ist ein klassischer Schulatlas für die Mittel- und Oberstufe mit kartografischen Darstellungen und historischen Daten.
Die Informationen wollten wir in der Kuppel nicht rein faktisch aufzählen, wie es im Print der Fall ist. Vielmehr sollte der Kuppelbetrachter neben einer visuellen auch einer inhaltlichen Dramaturgie folgen.
Wir schrieben die Narration auf Quellenlage neu und unterteilten sie in 6 Erzähleinheiten. Diese bildeten dann die Basis fürs Storyboard.
1
Zu Beginn der Kreuzzüge, Ende des 11. Jahrhunderts, herrschte im Westen die römisch-katholische Kirche. Im Osten hingen die Byzantiner der griechisch-orthodoxen Kirche an. Die Muslime lebten unter der Herrschaft des Kalifen von Bagdad und des Kalifen von Kairo in süd-östlichen Gefilden. Manche Gebiete waren vorübergehend christianisiert worden oder durch eine Reconquista zurückgewonnen.
2
Die Haupstädte des alten römischen Reichs waren Rom im Okzident und Konstantinopel im Orient. Die christliche Kirche war in eine West- und eine Ostkirche gespalten. Die muslimischen Völker untereilten sich in Almoraviden, Fatimiden und Seldschuken, die untereinander im Konflikt standen.
3
Wie kam es zum ersten Kreuzzug? Der byzantinische Kaiser Alexios I. bat Papst Urban II. um Unterstützung gegen die muslimischen Seldschuken. Daraufhin forderte der Papst auf der Synode von Clermont zum Kreuzzug gegen die Ungläubigen auf: „Gürtet euch und handelt wie mächtige Söhne (der Kirche), denn es ist besser, in der Schlacht zu sterben, als die Beleidigung .... eurer heiligen Orte zu dulden“. Der Papst versprach freien Ablass und damit einen Platz im Paradies als Lohn für die Teilnahme. Das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“, wurde kurzerhand außer Kraft gesetzt. „Deus lo vult“ – Gott will es, erschallte es als Echo aus der begeisterten Menge – und wurde zum Motto der Kreuzzüge.
4
Auf seiner Reise durch ganz Frankreich riefen der Papst und sein Gefolge die europäische Ritterschaft dazu auf, „das Kreuz zu nehmen“ und in den "heiligen Krieg" zu ziehen. Unter der Leitung von Peter von Amiens, besser bekannt unter dem Namen „Peter der Einsiedler“, machten sich im Jahr 1096 auch andere Volksgruppen auf den Weg: einfache Männer, Frauen und Kinder, Kaufleute, Mönche, Verschuldete, Verbrecher, Abenteurer und Paradies-Suchende nahmen am sogenannten „Volkskreuzzug“ teil. Unter der Führung von Gottfried von Bouillon und seinem Bruder Balduin von Bologne, zog ein gut ausgerüsteter Trupp im August 1096 aus Lothringen los und erreichte Konstantinopel im Dezember desselben Jahres. Ein Jahr darauf, 1097, folgte ein südfranzösisches Heer unter Graf Raimund von Toulouse. Boëmund und Robert von der Normandie gelangten mit ihrem Gefolge von Süditalien über das adriatische Meer gen Osten. In Konstantinopel vereinten sich die Truppen und zogen über Nicäa, Caesarea und Antiochia nach Edessa und Akkon bis sie schliesslich Jerusalem erreichten. Während dieser Reisen kam es immer wieder zu Plünderungen, Ausschreitungen, Belagerungen und Schlachten. Von den zu Beginn 320 000 Kreuzfahrern erreichten nur 40 000 das heilige Land.
5
Die Erstürmung der Stadt Jerusalem am 15. 7. 1099 veräuft blutig und brutal. Wilhelm von Tyros, Chronist des 12. Jahrhunderts berichtet: „ Überall lagen Leichenteile und der Boden war vom Blut der Erschlagenen bedeckt.“ Ein unbekannter Chronist überliefert weiter: „(...) Die Kreuzfahrer liefen kämpfend durch die Stadt, rafften Gold, Silber, Pferde, Mulis zusammen und plünderten die Häuser und heiligen Stätten (...) „
6
Die christlichen Sieger errichteten die sogenannte Kreuzfahrerstaaten: das Königreich Jerusalem, die Grafschaften Tripolis und Edessa sowie das Fürstentum Antiochia.
Die Herausforderung bestand darin, Animation und Erzählführung im dreidimensionalen Raum zu denken. Bis zu welchem Punkt kann die Kuppelfläche spannungsvoll ausgenutzt werden? Was überfordert den Betrachter? Gibt es "demokratische Darstellung" in der Kuppel? In welcher Geschwindigkeit kann erzählt werden, in welcher Geschwindigkeit animiert?
Unterschiedliche Stile wurden kombiniert:
Leicht perspektivische Kartografie + Piktogramme und Zeitleisten-Element + Original-Bildmaterial von Gemälden und Buchmalereien aus dem Mittelalter (zumeist für Personendarstellungen) + Schwarz-Weiss Fotografie für Gebäude und Stadtansichten
Der Backdrop in der Kuppel ist schwarz, dazu stehen Magenta und Weiss in optimalem Kontrast.
Wenke Kramp + Johanna Gottschalk






































