Main Title »Freie Wale«
Titelgestaltung für die Kurzfilmproduktion Freie Wale der HFF »Konrad Wolf« Potsdam, einem von fünf Beiträgen zum Episodenfilm Mein ‘89. Regie: Josephine Frydetzki
Aufgabenstellung
Maintitle-Design für Kino, TV und DVD: Konzeption und Gestaltung von Vorspann, Opener, Credits und Trailer für Film- und TV-Produktionen. Neben der analytischen Betrachtung der Klassiker des Maintitle-Designs soll in diesem Semester die gestalterische Nähe des Filmtitels zu den typischen Instrumenten des Film-Marketings, wie zum Beispiel dem Plakat und der Website im Vordergrund stehen.
[Prof. Klaus Dufke]
Im Rahmen des Kurses wurden dazu reale Filmprojekte akquiriert.
Material: c18_akquise.pdf
Synopsis
Freie Wale
Leipzig, November 1989; die zwei kleinen Geschwister Frida und Max werden auf eine Montagsdemonstration mitgenommen. Nicht alles haben sie verstanden, außer der einen Sache: Sie haben eine Mission! Sie müssen die Wale befreien!
Idee
Bereits beim ersten Treffen mit der Regisseurin Josephine Frydetzki kamen wir überein, die inhaltliche Gewichtung des Main Title auf den Abspann zu legen.
Um dem Filmtitel Freie Wale nicht bereits im Vorspann die Wirkung des Wortspiels zu rauben, erscheint das Bildmotiv des Wals auch erst im Abspann.
Hierbei wurde überlegt, wie ein in der DDR aufgewachsenes Kind erstmalig mit der Figur eines Wales in Kontakt getreten sein könnte.
Da das Fernsehen zu dieser Zeit kein entsprechendes Programm aufwies, bot sich das Kinderbuch als Kontaktmedium an. Ein mögliches Exemplar hätte der Klassiker Von Anton bis Zylinder gewesen sein können – das damalig populärste Kinderlexikon aus dem Kinderbuchverlag Berlin.
Idee_Fortsetzung
Um den Bezug zu den kindlichen Hauptcharakteren weiter auszubauen und ebenso Kindheitserinnerungen beim Betrachter zu wecken, bedient sich die Bildsprache der Anmutung eines Plastiskops.
Die Bildtafeln wandern von rechts nach links über die Bühne; im 45°-Winkel um die eigene Achse. Dabei hört man das markant federnde Klicken beim Bildwechsel.
Illustration
Dem anfänglichen Vorhaben, Illustrationen aus dem Kinderlexikon Von Anton bis Zylinder zu verwenden, wurde schnell ein Riegel vorgeschoben, da Rechtsfragen mit dem Verlag nicht eindeutig geklärt werden konnten.
Esther Göröcs bot daraufhin ihre Hilfe an und erschuf die so eleganten Illustrationen von Mensch und Tier, die im finalen Abspann zu sehen sind.
Selbige erzeugen in Verbindung mit der originalen Papiertextur (vergilbt, offene Struktur) aus dem o.g. Kinderlexikon die angestrebte, altmodisch »ostige« Bildsprache.
Typografie
Die Verwendung einer DDR-Bleisatzschrift (Testdruck Technotyp)
war aufgrund des Produktionsprozesses leider nicht möglich, da es bis zuletzt stetige Änderungen in den Credits gab.
Abspann
In dieser Referenzfassung wurde der Abspann an die Ton-und Musikbearbeitung der HFF weitergereicht.
(Das vertonte Endergebnis kann ich aus rechtlichen Gründen an dieser Stelle leider nicht zeigen.)
Vorspann
Entwurf 1: Die Intro-Sequenz enthält Archivaufnahmen einer Leipziger Montagsdemo. Auf diese teils stark verwackelten Handkamera-Aufnahmen wurde »getrackte« Typo gesetzt.
Entwurf 2: Im Establishing-Shot parkt ein Trabant in einer Plattenwohnsiedlung ein. Der Lichtkegel der Scheinwerfer trifft beim Einlenken auf den im Raum platzierten Filmtitel und strahlt ihn im Vorbeifahren an.
(Rechtliche Schranken verbieten mir hier leider abermals die Darstellung.)
Beide Vorschläge wurden abgelehnt und daher nicht näher ausformuliert. Die zu moderne Anmutung wurde kritisiert und man entschied sich für klassisches »Type Over A Scene«.
Um jedoch eine Brücke zum Abspann zu generieren, beginnt der Film mit einer ins Bild klickenden Plastiskop-Tafel. (Bild)
Plakat
Beide Entwürfe schafften es in die Endauswahl. Letztlich entschied man sich für die rechte Variante.
Key-Visual: Aufgegriffen wird hierbei der im Film personifizierte Überwachungsstaat: in Form eines gestrickten Honecker-Portraits, welches als zentrales Element auch im Film erscheint. Eine visuelle Parallele zur Titelgestaltung wird durch die Verwendung des Papierhintergrundes (vergilbt, offene Struktur) erzeugt.
DVD-Cover
Veröffentlichung
Freie Wale feierte am 12.11.09 bei den Cottbusser Filmfestspielen Premiere und wurde am 03.12.09 im rbb ausgestrahlt.
Weitere Vorführungen auf Film-Festivals folgten.






