Neues Projekt

Neues Projekt

Gemütlich anmutende Altstadt, plattenbetonierte Neustadt, bekannt durch Glasindustrie, Eishockey oder gut bezahlten Kohleabbau, der meine Kindheit hier und da mit sauer schmeckende Badeseen bereicherte, liegt die kleine Kreisstadt am Rande Sachsens, Brandenburgs und Polens. Die wenigen Perspektiven zerstreuten schon früh Zusammengewachsenes und Erinnerungen über dieses Stück Erde hinaus.
Heut gleicht meine Heimat einer Geisterstadt. Ganze Stradtteile wurden dem Erdboden gleichgemacht, der Rest ist von Deutschen und Russen nunmehr zu gleichen Teilen besiedelt. Karge bedrückende Leere liegt in der Luft. Seinerzeit belebte Orte wirken zum Teil wie Ruinen, ihrer einstigen Lebendigkeit beraubt. Ich kehre zu den Orten zurück, die die Bilder in meinem Kopf sind, die Erinnerung, die Prägung, die Kindheit, Orte die ich war, die ich bin ... und finde Nichts. Oder Schutthaufen abgerissener Vergangenheit. Ich schaue dort Löcher in die Luft, wo es nie eine Distanze gab, zeitweise unfähig zu fotografieren … steh ich dort und schlucke unverdauliche Gegenwart.
Der Kohleabbau um die Stadt heraum hinterlies Löcher in Ausmaßen, die Horizonte verschlingen; fraßen Wälder, Straßenzüge, Ortschaften am Stück, hinterließen weder eine Richtung noch einen Sinn. Die Zurückgebliebenen erzählen nur von dem Früher oder halten lethargisch am alten neuen Weißwasser fest.

Ich möchte durch die Ästhetik der Camera Obscura nicht nur jene Bilder verdeutlichen, die sich durch meine deine Augen abbilden, sondern dem Betrachter auch das Gefühl, was ich beim Anblick fremder Heimat empfinde, vermitteln. Ein Versuch nicht nur karge Stadtlandschaften abzubilden, sondern wahre Eindrücke von jemanden zu schildern, der schwermütig zurückkehrt. Wohlmöglich ein Abschied, wohlmöglich ein Ankommen.