Redaktionelles Arbeiten. Kooperation mit dem Handelsblatt
Die Studierenden sind jede Woche gefordert, ein Bild für das wöchentlich erscheinende Essay im Handelsblatt zu produzieren und zu liefern.
ENERGYLAND/Der See
„Energieland“ wollen riesige gelbe Buchstaben am Ende der Welt in Großräschen bei Senftenberg verheißen. Und sind damit die einzige Erhebung, an denen das Auge festhalten kann. Nichts bietet dem Blick des Betrachters Halt. Konzentriert fokussiert man den Horizont, in der Hoffnung, Klarheit zu gewinnen. Der karge Vordergrund verschwimmt in Bedeutungslosigkeit. Wovon soll man sich ein Bild machen, wenn man die Orientierung verliert; Nah und Fern, Himmel und Boden eins werden?
Der ehemalige Tagebau bei Senftenberg wird sukzessive geflutet und ist in ferner Zukunft ein Teil der Lausitzer Seenlandschaft. Einer von Dutzenden künstlichen Seen.
Und dann? Die zart nachwachsende Vegetation und die Spuren vertriebener Zivilisation werden überschwemmt. Und dann gibt es dort nichts mehr zu sehen.
Bietet diese Landschaft nicht bereits alles, was einen See, ja ein ganzes Meer ausmacht? Schneebedeckte Ebenen gleichen dem schäumenden Wasser. Grashalme werden zu Strandhafer. Abraumhalden sind seine Dünen.
Wie weit treibt uns unser Hunger nach Energie? Wie viel Heimat und Identität sind wir bereit, dafür preiszugeben? Was macht diese Ausbeutung natürlicher Ressourcen und deren Folgen aus der einheimischen Bevölkerung?
Feuer!
Was sich verändert dauert fort. Was vorübergegangen ist, hört nicht auf zu wirken, obwohl es vorüber ist.
Passiert das, was wir erwarten oder erwarten wir, dass es passiert? Glauben wir, was wir sehen oder sehen wir nur das, was wir glauben?
Sind wir in der Lage Hürden zu überwinden, die wir nicht glauben wollen auch wenn wir sie sehen?
Wöchentlich brennen nachts Autos und Mülltonnen in meiner unmittelbaren Nachbarschaft in Berlin Friedrichshain. Ende vergangenen Jahres wurde zweimal ein Feuer in meinem Hausflur gelegt und nur knapp konnte eine Katastrophe verhindert werden.
Man kann schwer davon ausgehen, dass alle diesen Taten einer einzelnen Person oder einer Gruppe zuzuschreiben sind, sondern wahrscheinlich Nachahmer gefunden hat.
Was umtreibt diese Personen, was motiviert sie? Sind sie sich der Gefahr bewusst oder reagieren wir, die Betroffenen, übertrieben?
Ist Feuer eine zerstörerische Bedrohung oder eine romantische Aufwertung einer dunklen Sommernacht?
Feuer und dessen Zerstörungskräfte wirken in in einem spezifischen Moment, wenn man Feuer betrachtet, dem man in der Realität gegenübersteht .
In der Fotografie unterliegt Feuer den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie alles, was
man fotografiert: Es ist nur eine Referenz. "... intuitiv glauben wir den Bildern noch immer. Das Fotografierte muss in irgendeiner Form in der Realität vorhanden gewesen sein, sonst hätten wir es nicht fotografieren können. Doch ist das Bild deshalb wahr? Ist es ein Dokument oder ein subjektiver Eindruck, eine Behauptung?"
Spannend finde ich beim Thema Feuer, dass der subjektive Eindruck des Gesehenen, des Brandes also, Urinstinkte hervorruft: Gefahr, Zerstörung, Vernichtung usw.. Dabei reizen mich insbesondere Situationen, die als unentflammbar gelten, weil man sie nicht mit einem Brand oder einer Verbrennung in Verbindung setzt. Man meint, diese Momente und Gegenstände zu kennen. Ich spiele mit meiner Fotostrecke in zwei Richtungen. Zum einen versuche ich die Realität fotografisch objektiv festzuhalten (auch wenn es eine Täuschung sein sollte) und zum anderen überlasse ich dem Betrachter, wo die Geschichte herrührt und wie sie ausgeht. Ich lasse ihn subjektiv mein Foto weiter interpretieren, indem ich die Instinkte des Betrachters anspreche:
Ist der Weg durch ein Feuer zerstört? Was kann mir das Feuer anhaben? Brennt ein Pfefferkuchenhaus? Wenn ja, warum? Was ist mit den Kindern? Spätestens jetzt kramt jeder seine Erinnerungen heraus, die bis in die jüngste Kindheit zurückführen - gute, von guten Märchen oder schlechte, von
Ängsten, durch Erlebnisse mit Feuer.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ein Bild kaum objektiv sein kann. Somit ist es stets unwahr. Es zeigt die Sicht des Fotografierenden, zeigt stets die Vergangenheit und kann von jedem unterschiedlich interpretiert, emotional aufgewertet oder für unterschiedliche Zwecke missbraucht werden (Propaganda usw.). Niemand kennt die tatsächliche Geschichte hinter dem Foto außer dem Fotografen.
Mein Fazit: Foto ist Illusion.
HANNES
} Wer nach der Nase urteilt, weil <br>sie lang ist, fällt alsdann <br>ein winzig kleines Vorurteil. <br>Oft hängt nur Hannes dran.